Das offene Netz sind wir

und nicht die Konzerne und Monopole! Schöner Kommentar von Konrad Lischka. Ich zitiere mal einen Auszug:

Wenn Ihnen Vielfalt im Netz wichtig sind, nutzen und fördern Sie Alternativen. Bevor Sie sich für Software, Hardware oder Online-Dienste entscheiden, denken Sie jeweils darüber nach, wer sie gestaltet hat, welche Ziele er verfolgt und was es für andere Möglichkeiten geben könnte, Ihrem Anliegen zu entsprechen.

Deshalb: Nutzt freie Software, nutzt freie Dienste. Engagiert euch!

Die Anschläge von Paris

Woche eins nach den grausamen Anschlägen in Paris. Zeit für eine kleine Presseschau:

  • Fefe hat eine schöne Liste zusammengestellt, was unsere Politiker gefordert haben, um auch die letzen Bürgerrechte dem Terror zu opfern.
  • Ein großes Thema ist natürlich wieder die Verschlüsselung, die den Terroristen hilft, welche am Ende allerdings doch lieber SMS schicken. Bei Netzpolitik gibt es einen Artikel, der die Zusammenhänge erklärt. Die gleiche Meinung hatte auch der Journalist Duncan Campbell.
  • Auf einer Metaebene argumentiert der Beitrag von Thomas König bei Zeit Online.

Und zu guter Letzt, weil es so schön ist und vielleicht noch nicht alle mitbekommen haben: Die Bundesregierung hat den CCC (bzw. Frank Rieger als Sprecher) nach einer Krisennummer gefragt.

Aus aktuellem Anlass:

Ich lese Netzpolitik.org seit vielen Jahren und verlinke deren Scoops gerne und häufig!!! (Quelle)

Weitere Infos gibt es unter Netzpolitik.org oder Landesverrat.org und eine schöne Linksammlung bei Bildblog.

Wenn jemand spenden will (ich glaube, sie haben es jetzt nötig):

Inhaber: netzpolitik.org e. V.
Konto: 1149278400
BLZ: 43060967 (GLS Bank)
IBAN: DE62430609671149278400
BIC: GENODEM1GLS
Zweck: Spende netzpolitik.org

Ergebnisprotokoll der Arbeitsfahrt der Free-/Libre-Open-Source-Software-Initiative („FLOSSI“) vom 26.12.2014 bis 02.01.2015

Die FLOSSI berichtet im Folgenden von den Aktivitäten auf ihrer Exkursion zum 31. Jahreskongress des Vereins Chaos Computer Club („31C3“).

Der Kongress fand im Congress Center Hamburg statt und hatte etwa 12.000 interessierte Besucher, die sich internationale Vorträge anhören, an Workshops teilnehmen und bei Vorführungen und Ausstellungen („Assemblys“) hautnah dabei sein konnten. Die FLOSSI war nun Teil des Geschehens und hat die Kongresstage genutzt, um sich weiterzubilden. So wurde z. B. in einem Vortrag von Jacob Appelbaum und Laura Poitras auf die E-Mail-Verschlüsselung mit PGP eingegangen, die daraufhin bei einem FLOSSI-Treffen im Januar erfolgreich ausprobiert wurde. Damit ist es den Mitgliedern der FLOSSI nun möglich, verschlüsselt über das Internet zu kommunizieren! Interessierte Gäste der Initiative können mit Hilfe der FLOSSI ebenfalls E-Mail-Verschlüsselung für sich einrichten.

Einer der besonders inspirierenden und einzigartigen Vorträge war jener von Richard Stallman, einem der Urväter der Freie-Software-Bewegung. Wenn Personen wie Stallman in den Achtziger Jahren nicht die Offenlegung der Quellcodes von Programmen gefordert und selbst freie Software entwickelt hätten, würde es Vereinigungen wie die FLOSSI wahrscheinlich nicht geben. Stallmans Vortrag „Freedom in your computer and in the net“ hat uns in unseren Positionen zu Linux bestärkt. Die FLOSSI wird jetzt noch präziser in ihrem Wissensbereich agieren können, auch durch Stallmans kritischen Fingerzeig in Richtung der proprietären Software. Übrigens war dieser Vortrag (wie die meisten) auf Englisch, sodass jedes FLOSSI-Mitglied seine Englischkenntnisse auffrischen konnte.

Neben den Vorträgen haben die Assemblys, die im Erdgeschoss des Kongresszentrums durch bunte, blinkende LED-Lichter untermalt wurden und teilweise über das ausgeklügelte mobile Rohrpostsystem in Verbindung standen, auch einen großen Eindruck in der FLOSSI hinterlassen. Auf die Idee, eine eigene LED-Lichterkette zum Blinken zu bringen, sind einzelne Mitglieder der FLOSSI dann schnell gekommen, sodass noch auf dem Kongress ein „Arduino“ (Bastelplatine, die z.B. für die Steuerung der LEDs) erworben wurde. Dieser wurde auch bereits bei einem FLOSSI-Treffen zum Laufen gebracht; erste Versuche mit einer blinkenden LED brachten hübsche Ergebnisse.

Der 31C3 war für mehrere FLOSSI-Mitglieder ihre erste große Kongressveranstaltung, bei der eine Unmenge an neuem Wissen erworben wurde, was gleich in neue Projekte der FLOSSI und die Betreuung ihrer Gäste eingeflossen ist. Die FLOSSI wird in Zukunft die Entwicklungen in der IT-Industrie und „Sicherheits“politik noch kritischer beobachten und Studenten umso mehr helfen, das Bestmögliche aus ihren Computern herauszuholen.
Zusammengefasst hat die FLOSSI
– etliche hervorragende Vorträge gesehen (Technik, Politik, Kunst, Kultur, auf Englisch und Deutsch)
– unglaublich inspirierende politische wie technische Projekte (oft „in Aktion“) beobachten dürfen
– Workshops besucht
– vernetzende und informierende Gespräche geführt, z. B. bei den Assemblys – viele Empfehlungen zum nachhören und nachgucken bekommen
– durch Verstreuung der Mitglieder auf dem Kongress später einander Bericht erstatten und so noch mehr mitnehmen können
– den Teamzusammenhalt gestärkt
– optimale Weiterbildung für die technische und politische Betreuung der Gäste auf unseren eigenen Veranstaltungen erhalten
– einschlägiges Informationsmaterial zum weitergeben mitgenommen
– spannende Details gelernt, welche die aktuell laufende Vortragsvideoreihe des Referats Politische Bildung insbesondere jeweils im Diskussionsteil sehr bereichern

Insgesamt war die FLOSSI sehr begeistert vom Kongress und empfiehlt das Event unbedingt weiter. Ein weiterer Bericht ist auf unserer Webseite weiter unten zu finden.

Sascha Lobos Abrechnung mit Merkels Digitalpolitik

Sascha Lobo rechnet heute in seiner Spiegel Online Kolumne sehr anschaulich mit der Digitalpolitik Angela Merkels ab. Insbesondere ist einmal mehr anschaulich, dass der Ausbau der Leitungen nicht vorankommt und in keinem Land (außer Rumänien) die Menschen so wenig über das Internet wissen wie hierzulande. Da sich ein dummes Volk leicht regieren lässt, könnte man schon fast System hinter all dem vermuten…

Netzneutralität, Netzausbau und die Drosselkom

Stellt euch vor, es soll eine Straße von Nordstadt nach Südstadt gebaut werden. Da eine Straße sehr teuer ist, darf die Straße eine Firma bauen, die danach eine Maut von jedem Autofahrer verlangen darf. Alles ist gut, bis die Bürger der beiden Städte erkennen, dass es in den nächsten Städten Straßen gibt, auf denen sie viel schneller fahren können. Die Bürger fordern die Firma auf, die Straße breiter zu machen und einen neuen Asphalt draufzumachen.

Die Firma ist zwar prinipiell damit einverstanden, sagt jedoch, dass die Maut dann erhöht werden müsste. Als zweites Modell schlägt sie vor, dass zu den Hauptgeschäftszeiten nur noch Premiumkunden (die eine höherere Maut bezahlen) die Straße benutzen dürfen. Als Mittelweg schlägt sie vor, dass zwar alle Kunden weiterhin die Straße benutzen dürfen, jedoch nur wer auch mehr bezahlt, darf die linke Spur nutzen, auf der ein höheres Tempolimit gilt als auf der rechten.

Die Geschichte ist natürlich frei erfunden, aber soll verdeutlichen, was gerade beim Thema Netzausbau passiert. Die Infrastruktur ist relativ alt und in manchen Regionen Deutschlands sind die Internetverbindungen unheimlich langsam. Die Politik will etwas dagegen tun, hat jedoch auch keinen Vorschlag zur Finanzierung. Deshalb passieren zwei Dinge, die wir zurzeit schön beobachten können: zum einen wird die Netzneutralität (dass alle Daten im Internet gleich behandelt werden) untergraben. Das Kalkül dahinter: Große Dienste wie Google oder Youtube sollen dafür bezahlen, dass ihre Datenpakete schneller zum Kunden kommen. Das Problem dabei: kleine Dienste können sich dies natürlich nicht leisten und werden noch mehr Probleme haben, Nutzer für ihre Systeme zu begeistern. Zweiter Nachteil ist, dass wenn so eine Technologie erst einmal im Großen Maßstab eingeführt ist, die Zensur stark erleichtert wird.Um zu erkennen, ob das Datenpaket priorisiert werden muss, muss jedes angeschaut werden. Das Ganze heißt dann Deep Packet Inspection und kann auch zur Zensur genutzt werden. Es haben sich deshalb schon sehr interessante Allianzen zwischen der Deutschen Telekom und Staaten wie China, Russland und Saudi-Arabien gebildet. Anfang 2014 wurde EU-weit entschieden, dass das Ganze nicht kommt, aber das Thema wird nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden.

Zweitens: Die Drosselung der Anschlüsse. In den letzten Jahren wurden nur noch Flatrates verkauft. Eine Flatrate bedeutet, man kann so viel herunterladen wie man möchte. Damit lässt sich leider nur wenig Geld verdienen. Die Lösung ist, dass man Menschen, die sehr viel herunterladen stärker zur Kasse bittet, indem man mehrere Tarife anbietet, bei denen die Kunden nach dem Datenvolumen bezahlen, genau wie beim Mobilfunk. Im Prinzip ist dies eine versteckte Preiserhöhung.

Im Endeffekt mache ich der Telekom keine Vorwürfe, dass sie ihre Marktmacht ausnützen will und damit die Netzneutralität untergräbt. Jedes Privatwirtschaftliche Unternehmen würde so handeln und versuchen, seine Interessen durchzusetzen. Aber gerade weil eine Internetverbindung in den letzten Jahren in etwa so wichtig wie eine Straße wurde, sollte dieses Thema von der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden und die Überlegung sollte angestellt werden, ob wir als nächstes unsere Straßen privatisieren wollen. Eine gute Faustregel ist (die übrigens auf viele Probleme der IT übertragbar ist: Es gibt Stabilität, Schnelligkeit und günstige Preise. Alle drei kann man niemals auf einmal haben, also muss man zwei davon auswählen.

Ein weiteres schönes Video gibt es bei Was geht ab? Auf die Frage, ob schnelles Internet ein Grundrecht ist, lautet meine Antwort ganz klar Ja!

Mimi and Eunice

Die Künstlerin Nina Paley ist die Zeichnerin der Comics mit Mimi und Eunice. Diese sind völlig frei verwendbar. Die beiden gnubbeligen Figuren stellen insbesondere das geltende Copyright in Frage, widmen sich aber auch oft anderen sozialen oder gesellschaftspolitischen Themen. Stöbert selbst im Comicblog!
Exploitation
Auch in den „Minute Meme“-Videos tauchen Mimi und Eunice auf, z. B. in „Copying is not Theft„.

re:publica 2014

Letzte Woche fand in Berlin die re:publica 2014 statt. Die re:publica ist eine Konferenz rund um das Internet, es gibt Vorträge usw. Das Schöne ist, dass alle Vorträge inzwischen auf Youtube hochgeladen wurden und frei verfügbar sind.

Ich möchte euch auf zwei Vorträge hinweisen:

Moriz Metz – Wo das Internet lebt

Bei diesem Vortrag reist der Journalist Moritz Metz um die Welt und fotographiert Orte, die wichtig für die Infrastruktur sind. Er besucht z.B. Rechenzentren und die Konzernzentralen von Facebook und Google. Schöne Photos und man lernt auch ein bisschen was darüber, wie das Internet eigentlich funktioniert.

Friedemann Karig – Überwachung macht impotent

Friedemann Karig redet über neue Narrative für Überwachung und wie das Thema besser in der Gesellschaft verankert werden kann. Auch sehr empfehlenswert für Menschen, die (nach eigener Einschätzung) nichts zu verbergen haben.