Unfreie Infrastrukturen

Wir werden oft gefragt, warum wir nicht bei Facebook aktiv sind. Nun, der offensichtlichste Grund ist sicherlich der Datenschutz. Wir wissen seit Snowden, dass Facebook eines der Unternehmen ist, dem wir besser keine Daten geben. Dieser Vortrag bringt das ganz schön auf den Punkt.

Als Gegenargument kommt dann immer, dass Facebook aber so frei und offen sei und in vielen Ländern, wie z.B. Russland, wo alle Medien von der Regierung kontrolliert werden, eine Gegenöffentlichkeit bildet. Dies stimmt leider auch nur zum Teil. Anfang der Woche gab es einen schönen Artikel in der TAZ zum Thema Facebok und Russland. Im Kern geht es darum, dass russische Trolle den Service von Facebook, Inhalte löschen zu lassen, nutzen, um Oppositionelle zum Schweigen zu bringen.

Auch bei Google kann man inzwischen auch Links löschen lassen. Dies öffnet Missbrauch natürlich auch wieder Tür und Tor. Das größte Problem liegt darin, dass diese Firmen wie Richter und Henker in einer Person agieren können. Wenn Inhalte ungewollt sind, werden sie gelöscht. Auf der einen Seite ist es schön, wenn Inhalte wieder aus dem Netz verschwinden können, die diffamierend oder beleidigend sind, auf der anderen Seite wird der Missbrauch wohl eher noch zunehmen und Missbrauch im großen Stil (z.B. durch bezahlte Menschen, die für eine Regierung oder ein Unternehmen unangenehme Inhalte löschen lassen) ist nur für diejenigen möglich, die über sehr viel Zeit oder sehr große finanzielle Mittel verfügen.

Das gesamte Thema läuft auf etwas hinaus, das ich als unfreie Infrastrukturen bezeichne. Also Infrastrukturen, die nicht frei und offen für alle sind, sondern von einem Unternehmen kontrolliert werden. Dies ist dasselbe Problem wie beim Netzausbau in manchen Landstrichen. Das Netz gehört der Telekom und wenn sich diese nicht zum Ausbau entschließt, passiert nichts.

Als Handlungsanweisung kann ich nur mitgeben, unfreie Infrastrukturen immer abzulehnen. Der eigene Blog auf einen eigenen oder einem offenen Server ist besser als die Facebook-Seite, egal wie viele likes sie bekommt. Ebenso garantiert niemand, dass Unternehmen wie Facebook noch in ein paar Jahren existieren und wenn der Dienst schließt, kommt ihr nicht mehr an eure Kontakte ran.

Zum Schluss noch ein anschauliches Beispiel: Das ist in etwa wie ein Staat innerhalb eines Staats, der seine eigenen Gesetze macht, die nicht demokratisch legitimiert sind. Außerdem gibt es in diesem Staat einen König, der sowohl Gesetze erlässt als auch Urteile spricht und diese durchsetzt.