Netzneutralität, Netzausbau und die Drosselkom

Stellt euch vor, es soll eine Straße von Nordstadt nach Südstadt gebaut werden. Da eine Straße sehr teuer ist, darf die Straße eine Firma bauen, die danach eine Maut von jedem Autofahrer verlangen darf. Alles ist gut, bis die Bürger der beiden Städte erkennen, dass es in den nächsten Städten Straßen gibt, auf denen sie viel schneller fahren können. Die Bürger fordern die Firma auf, die Straße breiter zu machen und einen neuen Asphalt draufzumachen.

Die Firma ist zwar prinipiell damit einverstanden, sagt jedoch, dass die Maut dann erhöht werden müsste. Als zweites Modell schlägt sie vor, dass zu den Hauptgeschäftszeiten nur noch Premiumkunden (die eine höherere Maut bezahlen) die Straße benutzen dürfen. Als Mittelweg schlägt sie vor, dass zwar alle Kunden weiterhin die Straße benutzen dürfen, jedoch nur wer auch mehr bezahlt, darf die linke Spur nutzen, auf der ein höheres Tempolimit gilt als auf der rechten.

Die Geschichte ist natürlich frei erfunden, aber soll verdeutlichen, was gerade beim Thema Netzausbau passiert. Die Infrastruktur ist relativ alt und in manchen Regionen Deutschlands sind die Internetverbindungen unheimlich langsam. Die Politik will etwas dagegen tun, hat jedoch auch keinen Vorschlag zur Finanzierung. Deshalb passieren zwei Dinge, die wir zurzeit schön beobachten können: zum einen wird die Netzneutralität (dass alle Daten im Internet gleich behandelt werden) untergraben. Das Kalkül dahinter: Große Dienste wie Google oder Youtube sollen dafür bezahlen, dass ihre Datenpakete schneller zum Kunden kommen. Das Problem dabei: kleine Dienste können sich dies natürlich nicht leisten und werden noch mehr Probleme haben, Nutzer für ihre Systeme zu begeistern. Zweiter Nachteil ist, dass wenn so eine Technologie erst einmal im Großen Maßstab eingeführt ist, die Zensur stark erleichtert wird.Um zu erkennen, ob das Datenpaket priorisiert werden muss, muss jedes angeschaut werden. Das Ganze heißt dann Deep Packet Inspection und kann auch zur Zensur genutzt werden. Es haben sich deshalb schon sehr interessante Allianzen zwischen der Deutschen Telekom und Staaten wie China, Russland und Saudi-Arabien gebildet. Anfang 2014 wurde EU-weit entschieden, dass das Ganze nicht kommt, aber das Thema wird nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden.

Zweitens: Die Drosselung der Anschlüsse. In den letzten Jahren wurden nur noch Flatrates verkauft. Eine Flatrate bedeutet, man kann so viel herunterladen wie man möchte. Damit lässt sich leider nur wenig Geld verdienen. Die Lösung ist, dass man Menschen, die sehr viel herunterladen stärker zur Kasse bittet, indem man mehrere Tarife anbietet, bei denen die Kunden nach dem Datenvolumen bezahlen, genau wie beim Mobilfunk. Im Prinzip ist dies eine versteckte Preiserhöhung.

Im Endeffekt mache ich der Telekom keine Vorwürfe, dass sie ihre Marktmacht ausnützen will und damit die Netzneutralität untergräbt. Jedes Privatwirtschaftliche Unternehmen würde so handeln und versuchen, seine Interessen durchzusetzen. Aber gerade weil eine Internetverbindung in den letzten Jahren in etwa so wichtig wie eine Straße wurde, sollte dieses Thema von der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden und die Überlegung sollte angestellt werden, ob wir als nächstes unsere Straßen privatisieren wollen. Eine gute Faustregel ist (die übrigens auf viele Probleme der IT übertragbar ist: Es gibt Stabilität, Schnelligkeit und günstige Preise. Alle drei kann man niemals auf einmal haben, also muss man zwei davon auswählen.

Ein weiteres schönes Video gibt es bei Was geht ab? Auf die Frage, ob schnelles Internet ein Grundrecht ist, lautet meine Antwort ganz klar Ja!